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Die Regierung von Ontario verkündete am 25. Juni 2000 ein Gesetz, dass
jedes Jahr der Tag nach "Thanksgiving" ein " German Pioneer-Day" sei. Ein
Komitee nahm sich vor, innerhalb weniger Wochen solch eine erste
Veranstaltung zu organisieren. Der Bügermeister stellte dafür sein Rathaus
zur Verfügung. Es blieb nur noch übrig, ob mit solch einer kurzen
Ankündigung, wie in der DEUTSCHEN PRESSE, die Deutschkanadier kommen würden.
Und sie kamen! Schon seit 11 Uhr war der Rundgang für eine Besichtigung
einer Ausstellung gestaltet, einschliesslich der Aufstellung des Connestogo
Wagens. Sie war den Einwanderern aus den deutschsprachigen - Ländem,
besonders den frühen Siedlern, gewidmet. Dem Deutschen Museum in Brampton
gebührt für diese Gestaltung ein besonderer Dank. Ebenso der Waterloo
Historical Society, welche die hiesige Einwandererzeit zeigte.
Verschiedene deutsche Kirchen zeigten ihre mit den deutschen Einwanderern
verbundene Geschichte, die bis zu 150 Jahren zurückgeht. Die jetzige
Zeitung "The Record" gab einen Einblick in ihre Entwicklung, die mit dem
in deutscher Sprache gedruckten "Berliner Journal" (1859-1916) anfing.
Seit 2 Monaten ist der hiesige "Pioneer Tower" das Wahrzeichen dieser
Zeitung.
Die deutschkanadischen Klubs waren ebenfalls zahlreich mit interessanten
Ausstellungs-stücken vertreten.. Vor dem Rathaus unterhielt trotz kühlem
Wetter die Tanzgruppe des Transylvania Klubs, in ihren schönen Trachten
gekleidet, die Besucher. Durch die Tische, mit zahlreichem ausgelegten
Bildmaterial, zeigten die Deutschen Sprachschulen "Quiring" und
"Concordia" ihren Werdegang. So mancher Besucher wurde daran erinnert,
wo er einmal sein Deutsch verbesserte, oder wo noch heute, wie in der
Concordia-Schule, ihre Kinder oder Enkelkinder Deutsch lernen. Eine
7-Jährige zu ihrem Opa: "Du brauchst mir nicht mehr einen "twoney"
(Zweidollarstiick) zu geben, damit ich samstags in die Schule gehe,
ich gehe jetzt geme dahin!"
In der grossen mehrere Stockwerke hohen offenen runden Eingangshalle
des Rathauses von Kitchener waren ca.200 Stühle schon lange vor 16 Uhr,
dem Beginn der Feier, besetzt. Als die Veranstaltung ihren Anfang nahm,
standen ca. die gleiche Anzahl von Besuchern auch auf den Treppen und
des oberen Rundgangs.
Der Vorsitzende des Komitees, James R. Breithaupt, ehemaliger Abgeordneter
und Nachkomme einer der bedeutsamsten Kitchener Familien, begrüsste mit
herzlich Worten die Besucher und die vielen Ehrengäste. Nach dem Singen
der kanadischen Nationalhynme und dem Lied "Eine Feste Burg", vorgetragen
vom Chor der Benton Street Baptist Kirche, sprach als erster Redner Wayne
Wettlaufer, seine Vorfahren kamen aus Hessen. Er erhielt gleich grossen
Beifall, denn er war derjeniger, der das Gesetz “German Pioneer Day"
vorschlug, dem dann alle Parteien zustimmten. In seiner Ansprache hob er
besonders hervor, dass es Zeit ist, die grosse Bedeutung der deutschen
Einwanderer für die Entwicklung Kanadas zu würdigen. Er übergab der Stadt
eine Einrahmung mit der Proklamation über den "German Pioneer Day". Viele
Redner folgten, wie der Bürgermeister von Kitchener, Carl Zehr, ein
Nachfahre früher deutscher Einwanderer. Besonders Anklang fand die Rede
des "Chairman of the Region of Waterloo", Ken Seiling. Er hielt seine
Ansprache überwiegend in Deutsch. Insgesamt hielten 9 Redner Lobreden über
die deutschen E'mwanderer, wie, die Bürgermeisterin von Waterloo, Joan
McKinnon, und föderale und provinzielle Abgeordnete. Der deutsche
Ehrenkonsul von Kitchener, Peter Kruse, verlas fiir die verhinderte neue
deutsche Generalkonsulin Christiane Geissler-Kuss deren Grussworte.
Ebenso wurden viele Gruss-schreiben verlesen, wie vom kanadischen
Ministerpräsidenten Jean Chrétien und Ministerpräsidenten von Ontario,
Mike Harris.
Eine Aufführung zeigte den Tag vor 90 Jahren, dem 11. Oktober 1910, als
der Deutschkanadier Adam Beck den Schalter betätigte, der als erste Stadt
in Ontario elektrischen Strom nach Kitchener brachte.
Die folgenden 4 fröhlichen und spritzigen deutschen Lieder, gesungen von
den Kleinen der Deutschen Sprachschule Concordia unter Leitung von Angelika
Wemer, ernteten viel Beifall, auch durch das Gefühl, dass unser
deutschsprachiger Nachwuchs da ist!
Zum Abschluss sangen die Chöre des Concordia Clubs unter Leitung von
Alfred Kunz. Ihre so schön gesungenen Lieder gaben der Veranstaltung, mit
viel Beifall bedacht, einen würdigen Abschluss.
Während dieser Veranstaltung gab es so viele lobende Worte über die
Deutschkanadier, wie man es zusammengerechnet in Jahren nicht gehört hat.
Vielleicht sollten die kanadischen Medien davon auch endlich Notiz nehmen.
Aber es sollte auch allen Deutschkanadiern helfen, ihr Selbstbewusstsein
und Stolz u stärken. Die Reden der kanadischen Repräsentanten zeigten den
Vertretern deutscher Organisationen , dass auf solchen Veranstaltungen
auch Deutsch gesprochen werden kann --nicht nur Englisch.
Die DEUTSCHE PRESSE gratuliert allen Mitwirkenden und dem Komitee für die
Gestaltung dieser Feier. Es ist zu hoffen, dass überall im Land viele
solcher Veranstaltungen zum Deutschen Pionier Tag folgen werden. -
Erhard Matthaes

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