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Pressebericht: Deutsche Presse, 18. Oktober 2000 Seite 3

 

Der erste Deutsche Pionier Tag
Grosse Veranstaltung in Kitchener


Die Regierung von Ontario verkündete am 25. Juni 2000 ein Gesetz, dass jedes Jahr der Tag nach "Thanksgiving" ein " German Pioneer-Day" sei. Ein Komitee nahm sich vor, innerhalb weniger Wochen solch eine erste Veranstaltung zu organisieren. Der Bügermeister stellte dafür sein Rathaus zur Verfügung. Es blieb nur noch übrig, ob mit solch einer kurzen Ankündigung, wie in der DEUTSCHEN PRESSE, die Deutschkanadier kommen würden.

Und sie kamen! Schon seit 11 Uhr war der Rundgang für eine Besichtigung einer Ausstellung gestaltet, einschliesslich der Aufstellung des Connestogo Wagens. Sie war den Einwanderern aus den deutschsprachigen - Ländem, besonders den frühen Siedlern, gewidmet. Dem Deutschen Museum in Brampton gebührt für diese Gestaltung ein besonderer Dank. Ebenso der Waterloo Historical Society, welche die hiesige Einwandererzeit zeigte.

Verschiedene deutsche Kirchen zeigten ihre mit den deutschen Einwanderern verbundene Geschichte, die bis zu 150 Jahren zurückgeht. Die jetzige Zeitung "The Record" gab einen Einblick in ihre Entwicklung, die mit dem in deutscher Sprache gedruckten "Berliner Journal" (1859-1916) anfing. Seit 2 Monaten ist der hiesige "Pioneer Tower" das Wahrzeichen dieser Zeitung.

Die deutschkanadischen Klubs waren ebenfalls zahlreich mit interessanten Ausstellungs-stücken vertreten.. Vor dem Rathaus unterhielt trotz kühlem Wetter die Tanzgruppe des Transylvania Klubs, in ihren schönen Trachten gekleidet, die Besucher. Durch die Tische, mit zahlreichem ausgelegten Bildmaterial, zeigten die Deutschen Sprachschulen "Quiring" und "Concordia" ihren Werdegang. So mancher Besucher wurde daran erinnert, wo er einmal sein Deutsch verbesserte, oder wo noch heute, wie in der Concordia-Schule, ihre Kinder oder Enkelkinder Deutsch lernen. Eine 7-Jährige zu ihrem Opa: "Du brauchst mir nicht mehr einen "twoney" (Zweidollarstiick) zu geben, damit ich samstags in die Schule gehe, ich gehe jetzt geme dahin!"

In der grossen mehrere Stockwerke hohen offenen runden Eingangshalle des Rathauses von Kitchener waren ca.200 Stühle schon lange vor 16 Uhr, dem Beginn der Feier, besetzt. Als die Veranstaltung ihren Anfang nahm, standen ca. die gleiche Anzahl von Besuchern auch auf den Treppen und des oberen Rundgangs.

Der Vorsitzende des Komitees, James R. Breithaupt, ehemaliger Abgeordneter und Nachkomme einer der bedeutsamsten Kitchener Familien, begrüsste mit herzlich Worten die Besucher und die vielen Ehrengäste. Nach dem Singen der kanadischen Nationalhynme und dem Lied "Eine Feste Burg", vorgetragen vom Chor der Benton Street Baptist Kirche, sprach als erster Redner Wayne Wettlaufer, seine Vorfahren kamen aus Hessen. Er erhielt gleich grossen Beifall, denn er war derjeniger, der das Gesetz “German Pioneer Day" vorschlug, dem dann alle Parteien zustimmten. In seiner Ansprache hob er besonders hervor, dass es Zeit ist, die grosse Bedeutung der deutschen Einwanderer für die Entwicklung Kanadas zu würdigen. Er übergab der Stadt eine Einrahmung mit der Proklamation über den "German Pioneer Day". Viele Redner folgten, wie der Bürgermeister von Kitchener, Carl Zehr, ein Nachfahre früher deutscher Einwanderer. Besonders Anklang fand die Rede des "Chairman of the Region of Waterloo", Ken Seiling. Er hielt seine Ansprache überwiegend in Deutsch. Insgesamt hielten 9 Redner Lobreden über die deutschen E'mwanderer, wie, die Bürgermeisterin von Waterloo, Joan McKinnon, und föderale und provinzielle Abgeordnete. Der deutsche Ehrenkonsul von Kitchener, Peter Kruse, verlas fiir die verhinderte neue deutsche Generalkonsulin Christiane Geissler-Kuss deren Grussworte.

Ebenso wurden viele Gruss-schreiben verlesen, wie vom kanadischen Ministerpräsidenten Jean Chrétien und Ministerpräsidenten von Ontario, Mike Harris.

Eine Aufführung zeigte den Tag vor 90 Jahren, dem 11. Oktober 1910, als der Deutschkanadier Adam Beck den Schalter betätigte, der als erste Stadt in Ontario elektrischen Strom nach Kitchener brachte.

Die folgenden 4 fröhlichen und spritzigen deutschen Lieder, gesungen von den Kleinen der Deutschen Sprachschule Concordia unter Leitung von Angelika Wemer, ernteten viel Beifall, auch durch das Gefühl, dass unser deutschsprachiger Nachwuchs da ist!

Zum Abschluss sangen die Chöre des Concordia Clubs unter Leitung von Alfred Kunz. Ihre so schön gesungenen Lieder gaben der Veranstaltung, mit viel Beifall bedacht, einen würdigen Abschluss.

Während dieser Veranstaltung gab es so viele lobende Worte über die Deutschkanadier, wie man es zusammengerechnet in Jahren nicht gehört hat. Vielleicht sollten die kanadischen Medien davon auch endlich Notiz nehmen. Aber es sollte auch allen Deutschkanadiern helfen, ihr Selbstbewusstsein und Stolz u stärken. Die Reden der kanadischen Repräsentanten zeigten den Vertretern deutscher Organisationen , dass auf solchen Veranstaltungen auch Deutsch gesprochen werden kann --nicht nur Englisch.

Die DEUTSCHE PRESSE gratuliert allen Mitwirkenden und dem Komitee für die Gestaltung dieser Feier. Es ist zu hoffen, dass überall im Land viele solcher Veranstaltungen zum Deutschen Pionier Tag folgen werden. - Erhard Matthaes

 

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